Mit Spanisch auf der Erfolgsschiene

Concurso Escolar de Lectura en Español 2015

In Altenhaßlau strahlt in diesen Tagen nicht nur die Sonne, sondern auch noch das ein oder andere Gesicht. Der Grund: Der landesweite Spanisch-Vorlesewettbewerb „Concurso Escolar de Lectura en Español 2015: Leo, leo… ¿Qué lees?” (Ich lese, ich lese... Was liest du?) am 29. April in Frankfurt, bei dem auch drei Schüler der Freien Montessori Schule Main-Kinzig-Kreis zeigen konnten, was in ihnen steckt.

Denn der Einsatz der Jugendlichen wurde am Schluss belohnt: Tamia Fischer aus der Sekundarstufe belegte in der Kategorie A1 (Anfänger) den 1. Platz. Und auch ihre beiden Mitschüler Lea Schneider und Lluc Goldschmidt seien sehr gelobt worden, erzählt die Lernbegleiterin für Spanisch an der Grund- und Sekundarschule der Freien Montessori Schule Main-Kinzig-Kreis, Analía Vogelmann. Die gebürtige Peruanerin arbeitet seit 2009 an der Schule und ist, wie man im Gespräch schnell merkt, mit großem Enthusiasmus und viel Herzblut dabei.

Bei dem Vorlesewettbewerb waren Vogelmann zufolge ihre drei Spanischschüler die einzigen Teilnehmer, die eine Montessori-Schule besuchen. Aufgrund der guten Kenntnisse der Schüler sei sie optimistisch gewesen, dass sie auch in diesem Jahr gut abschneiden würden. Schon ihre Vorgänger hatten im Jahr 2013 in der Kategorie B1 den 1. Platz und in 2014 auf A1-Niveau den 2. Platz erlangt.

Der Wettstreit fand in diesem Jahr zum 4. Mal in Folge statt. Hintergrund ist stets der Internationale Tag des Buches am 23. April. Laut Vogelmann hat dieser Tag insbesondere für die Katalanen eine große Bedeutung: Dann wird nämlich der Schutzheilige der Verliebten Sant Jordi (hl. Georg) geehrt. Ganz gemäß eines Jahrhunderte alten Brauches schenken Frauen ihren Männern an diesem Tag ein Buch und bekommen von diesen eine Rose.

Organisiert wurde „Leo, leo… ¿Qué lees?“ von der Hessenwaldschule in Weiterstadt gemeinsam mit dem Instituto Cervantes in Frankfurt. Zusätzliche Unterstützung bekamen die Verantwortlichen von der Spanischen sowie der Mexikanischen Botschaft und dem Hessischen Kulturministerium. In diesem Jahr nahmen zwölf Schulen aus ganz Hessen teil, deren Schüler in den vier Sprachniveaus A1, A2, B1 und B2 (Anfänger bis Fortgeschrittene/Muttersprachler) gegen einander antraten. Pro Kategorie konnte jede Schule einen Schüler schicken und es galt, einen für alle gleichen Text mit etwa 1.500 Zeichen möglichst ansprechend vorzulesen.

Und so bemühten sich alle Teilnehmer um eine fehler- und akzentfreie Aussprache und eine gute Betonung. Dabei kamen den Montessorischülern verschiedene praktische Übungen und Aktionen sehr zu Gute, die bereits Wochen zuvor an der Freien Montessori Schule Main-Kinzig-Kreis durchgeführt worden waren.

So hatten sich die drei Teilnehmer knapp zwei Monate zuvor, am 27. Februar 2015, in einem schulinternen Vorentscheid für den landesweiten Wettbewerb qualifiziert. Laut Analía Vogelmann nahmen an diesem „Concurso de lectura: ¡Yo leo y tu también!” 19 Schüler der 7. – 9. Klassen teil. Ihnen winkten als Prämien Spanisch-Diplomen und Bücherpreise eines spanischen Verlags.

Einige Tage später, am 4. März 2015, hatten dann auch die Schüler der Grundschule (5. und 6. Klasse) die Gelegenheit, zu zeigen, was in ihnen steckt. Für sie gab es eigens eine jüngere Ausgabe des Vorlesewettbewerbs mit einer Jury aus zwei Schülern, die bereits am Sekundarstufenwettbewerb teilgenommen hatten. Elf Schülerinnen und Schüler zeigten hier ihr Können und wurden mit gesponsorten Uhren, Büchern, Plüschtieren und Kleinigkeiten für ihren Einsatz belohnt. Besonders überzeugen konnten die Grundschüler Kiara Heidler und Yannik Bresasn.

Und damit nicht genug: Wiederum knapp zwei Wochen zuvor hatte es einen weiteren Spanischwettbewerb für die 6. – 10. Klassen gegeben, bei dem allerdings ein anderer Schwerpunkt gesetzt wurde. Denn beim „Concurso de vocabulario: El reino del vocabulario de español“ stand nicht das Lesen, sondern der Wortschatz im Mittelpunkt.

Wie Analía Vogelmann berichtet, war der Wettstreit komplett von zwei Schülerinnen der 6. Klasse ausgerichtet worden. Diese hatten im Vorfeld Plakate entworfen und damit für die Veranstaltung geworben. Zudem hatten sie sich um die Auslosung der Gruppen und die Wahl der Jury und der Moderatoren gekümmert, Fragen zusammengetragen und Preise organisiert.

Letztendlich traten dann am 23. Februar 2015 16 Schülerinnen und Schüler in vier Gruppen gegeneinander an. Sie mussten an zwei für die jeweils andere Gruppe nicht einsehbaren Tafeln Aufgaben lösen wie: „Nenne drei Ausdrücke, die das Wetter beschreiben“, „Schreibe fünf Länder auf, in denen Spanisch gesprochen wird“ oder „Benenne vier Tiere, die in der freien Natur leben“.

Als strahlende Gewinner der vier Gruppen setzten sich am Ende Jamie Vogel, Leon Reitz, Henrike Grimm und Leo Nicolini gegen ihre Mitstreiter durch. Doch auch diese konnten sich freuen. Denn nicht nur die Gewinner, sondern auch alle anderen Teilnehmer erhielten eine Urkunde und einen Preis, der zuvor von verschiedenen Sponsoren gespendet worden war (z.B. Klett Verlag, Kreissparkasse Gelnhausen). Der Hauptpreis war ein von der Schule gestifteter Kinogutschein samt Popcorn und Getränk.

Wie Analía Vogelmann betont, lagen aber nicht nur bei diesem Vokabelwettkampf, sondern auch bei den anderen schulinternen Wettbewerben sowohl die Vorbereitung als auch die Durchführung komplett in den Händen der Jugendlichen. Immerhin gehöre es zum Konzept der Freien Montessori Schule Main-Kinzig-Kreis, die Schüler im Rahmen klar festgelegter Regeln und Grenzen eigenverantwortlich arbeiten zu lassen. Sie habe ihnen aber immer zur Seite gestanden, wenn sie Hilfe oder Rat benötigt hätten.

Durch Projektarbeiten wie diese lernen Jugendliche besonders nachhaltig, weiß auch die Lernbegleiterin. Denn im Gegensatz zu reinem Frontalunterricht haben sie dabei die Möglichkeit, selbstständig zu arbeiten, dabei eigene Erfahrungen zu sammeln und neue Kenntnisse zu erlangen und gleichzeitig das bereits vorhandene theoretische Wissen mittels praktischer Arbeit weiter zu vertiefen.

Dadurch, dass die Jugendlichen aktiv und mit Spaß bei der Sache sind, seien sie motiviert, sich weiter zu entwickeln und mehr Wissen anzueignen. Auf diese Weise werden Lerninhalte automatisch miteinander verknüpft und können besser behalten werden. Und passiert das, wie in diesem Fall, noch dazu in einer Fremdsprache, wird diese auf ganz natürlichem Wege quasi nebenbei gelernt.

Gerade Vogelmann, die selbst seit vielen Jahren in Deutschland lebt, weiß auch aus eigener Erfahrung, dass zum Erlernen einer Fremdsprache viel mehr gehört als nur das blanke Auswendiglernen von Vokabeln. Wer schon einmal im Ausland war, hat sicher selbst schon mitgemacht, wie schnell man dort im Alltag mit reinem Schulwissen an seine Grenzen stößt. Richtig beherrschen und verinnerlichen kann man eine Sprache nur, wenn man sie fühlt, den Sinn der Worte begreift und die Menschen und deren Kultur und Mentalität versteht. Ein Blick über den Tellerrand hilft dabei ungemein.

„Schule ist so viel mehr als nur Lernen.“, sagt Vogelmann weiter. „Vieles vergisst man so schnell.“. Ihr Konzept daher: „Sprache muss gelebt werden. Man muss den Kindern die Möglichkeit bieten, sich in alltäglichen Situationen auszuprobieren und sich mit anderen Muttersprachlern als mir auseinanderzusetzen. Denn da ist die Hemmschwelle viel höher. “.

Vor diesem Hintergrund hatte Vogelmann auch schon in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte an der Freien Montessori Schule Mainz-Kinzig-Kreis begleitet.

So rief sie unter anderem ein Schüleraustauschprogramm ins Leben, half bei der Suche von Brieffreunden im Ausland und macht jedes Jahr mit ihren Schülern verschiedene Ausflüge mit Themen wie „Spanisch frühstücken“ und „Eis essen wie in Spanien“.

In diesem Rahmen stand Anfang des Jahres das „Proyecto: Ir a un restaurante en España“ auf dem Programm. Am 24. Februar 2015 war Vogelmann mit acht Jugendlichen der 8. und 9. Klasse in das alteingesessene spanische Restaurants CEDO nach Hanau gefahren, um dort in ganz spanischem Ambiente traditionelle Gerichte wie verschiedene Tapas und Paella zu essen.

Schon im Vorfeld hatten die Schüler die Unterschiede zwischen spanischen und deutschen Restaurants herausgearbeitet. So lernten sie z.B., dass es – anders als in Deutschland - in spanischsprachigen Ländern ganz und gar nicht als unhöflich gilt, wenn man laut nach dem „camarero“ (Kellner) ruft. Sie stellten fest, dass es in spanischen Lokalen deutlich lauter zugeht als in deutschen, und dass dort fast überall laut eingeschaltete Fernseher stehen.

Zudem fanden sie heraus, dass in Spanien und Südamerika viel später gegessen wird als in kälteren Ländern, und dass es von daher auch nicht unüblich ist, dass dort auch zu später Stunde noch kleine Kinder zwischen den Tischen herumwirbeln. Auch essen die Menschen dort andere Dinge: Viel mehr frischen Fisch und Meeresfrüchte. Und nach dem Essen gibt man der Bedienung das Trinkgeld nicht in die Hand, wie bei uns, sondern man lässt es auf dem Tisch liegen.

Als Antwort auf die Frage, ob es denn den Jugendlichen aufgrund der zahlreichen Unterschiede und einer möglichen Sprachbarriere schwer gefallen sei, sich auf die Alltagssituation in der fremden Sprache umzustellen, lacht Vogelmann herzlich: „Nein, überhaupt nicht! Sie waren ja gut vorbereitet“.

Und in Bezug auf den Vorlesewettbewerb der Sekundarstufe steht für sie schon jetzt fest: „Auch im nächsten Jahr sind wir wieder mit dabei!“.